03/4/13

Domestizierung

Nachdem der Mensch den Wert der einzelnen Tierarten erkannte, nutze er diese für seine Zwecke. So wurden Hunde zu verlässlichen Jagdgefährten, Kühe waren ausgezeichnete Fleisch- und Milchlieferanten oder Pferde zeichneten sich als ein hervorragendes Transportmittel aus.

Die Katzen nahmen in diesem Entwicklungsprozess doch einen etwas anderen Weg. Hier waren es die Katzen, welche sich für ein Zusammenleben mit dem Menschen entschieden haben. Nicht der Mensch bestimmte hier die Regeln. Die kleinen “Jäger” wurden in den meisten Fällen von Ratten und Mäusen angezogen. Es besteht die Vermutung, dass die ersten Katzen, welche sich für ein Leben in der Nähe des Menschen entschieden haben zu der Gruppe der heute noch existierenden Afrikanischen Wildkatzen (Felis lybica) gehörten. Eine Zähmung der Katze erfolgte erstmals durch die Ägypter. Hier wurde sie anfangs als Jäger und Apportierer eingesetzt. Schließlich wurde sie dann als Kultobjekt verehrt. Sie wurde der Fruchtbarkeits- und Liebesgöttin Bastet geweiht.

Katzendarstellungen an Wänden und Grabstätten, Katzenstatuen aus Bronze oder Holz und auch Katzenmumien weisen bereits vor 4500 Jahren auf das kooperative Verhältnis zwischen Katze und Mensch hin. Im alten Ägypten wurde die Katze zu einem heiligen Symbol. Hier war der Glaube verbreitet, dass die Götter die Gestalt einer Katze annehmen würden und dann Weisungen und Weissagungen verkünden. So wurde dann schließlich der von den Priestern verehrte Löwe durch die Katze ersetzt. Sie war weniger bedrohlich und zugleich nützlicher Schädlingsvertilger. Diese Katzen waren schon recht umgänglich, aber keine Schoßtiere.

Unter dem Schutz des Menschen konnten die Katzen prächtig gedeihen. So wurden sie mit jeder Generation zahmer, bis sie schließlich ein Haustierdasein antreten konnten. Aber auch jetzt verloren sie nicht ihre heilige Stellung. Jahrhundertelang stand auf das Töten einer Katze die Todesstrafe. Daneben wurden verstorbene Katzen einbalsamiert und mumifiziert. Die Grabbeigabe bestand aus Mäusen. Tote Katzen wurden genauso betrauert wie verstorbene Verwandte. So wurden beispielsweise Reste von über 300 000 mumifizierten Katzen in einer im 19. Jahrhundert ausgegrabenen Stadt gefunden.

Als erste Europäer erkannten die Griechen den Wert der ägyptischen Katzen als Mäusevertilger. Allerdings weigerten sich die Ägypter mit ihren heiligen Katzen Handel zu betreiben. Infolge dessen wurden von den Griechen einige Katzenpaare gestohlen. Nachkommen dieser Katzen wurden dann an Gallier, Römer und Kelten verkauft. Sie wurden zu festen Handelspartnern. Die Katze wurde weiterhin als Schädlingsvertilger hoch geschätzt. Aufgrund dessen fand sie eine schnelle Verbreitung in der zivilisierten Welt. Aber auch hier gab es Ausnahmen. Im Mittelalter wurden die Katzen als heidnisches Symbol verdammt. Sie galten als Gehilfe des Satans. Jährlich wurden am Johannistag unzählige Katzen auf Marktplätzen bei lebendigem Leibe verbrannt. Die Spezie Katze war um 1400 fast ausgestorben.

Erst im 17. Jahrhundert erkannte man, dass Katzen als Schädlingsvertilger doch recht nützlich sind. Neben Mäusen jagten sie auch Ratten, welche die Pest übertrugen. Europäische Intellektuelle entdeckten im 18. Jahrhundert die Katze als ein beliebtes Schoßtier. Daneben hielt die Katze auch Einzug in die Literatur und Malerei. Die Katzen erlangten in Europa eine breite Beliebtheit, nachdem erkannt wurde, dass geistige und körperliche Gebrechen nicht durch in Hexen verwandelte Katzen verursacht wurden.

In der heutigen Zeit führen die überwiegende Mehrheit der Katzen ein angenehmes Leben als Haustier. Ihr Eigensinn und die Tatsache, dass die wilde, ungezähmte Natur immer wieder zum Vorschein kommt, macht die Katze so beliebt.